Wing Chun

Zu der Frage, was für eine Art von Kampfstil das Wing Chun ist, findet man im Internet jede Menge Informationen. Darum wollen wir sie an dieser Stelle auch nicht erneut wiederholen. Kurz zusammengefasst lässt sich aber sagen, dass es ein Stil aus dem Süden Chinas ist, der nach der Überlieferung von einer Shaolin Nonne mit dem Namen „Ng Mui“ entwickelt wurde. Es fehlen in diesem Stiel sämtliche akrobatischen Elemente, die das Shaolin Kung Fu neben seiner Bedeutung als Kampfkunst auch zu einem System zur körperlichen Ertüchtigung machen. Im Gegensatz dazu sind im Wing Chun nur die für einen Kampf wirklich hilfreichen Bewegungen zusammengefasst und mit neuen Prinzipien unterlegt worden. Das Wing Chun stoppt die Angriffe der Gegner, kontrolliert ihre Bewegungen und nutzt auch ihre Kraft für eigene Aktionen. Diese sind Angriffe mit Faust, Hand, Ellenbogen, Knie und Fuß, die zeitgleich mit der Abwehr oder aus der Kontrolle des Gegners heraus erfolgen. Ein wesentliches Element des Wing Chun ist dabei das „Chi-Sao“, das meist mit „Klebende Hände“ übersetzt wird, da der Praktizierende mit dieser Technik in der Lage ist, ständigen Kontakt mit den Händen des Gegners zu halten und diese auch mit verbundenen Augen zu kontrollieren.

 „Wing Chun“ ist die in Europa übliche Schreibweise für die traditionelle Form dieser Kampfkunst (In Hong Kong, dem heute wichtigsten Zentrum des Wing Chuns, lautet diese "Ving Tsun" ). Im Laufe der Zeit entstanden in Europa einige neue Interpretationen dieser Kampfkunst. Um die Nähe zum traditonellen Namen zu behalten, wurden dazu auch neue Schreibweisen entwickelt. Die Ausprache sollte dabei aber immer derjenigen der Worte Wing Chun ähneln, so z.B. Wing Tsun (WT), Ving Chun (VC) und andere.

Das Training in unserem Verein

Wing Chun ist eine faszinierende Kampfkunst, die weit über die wenn/dann-Fragen eines Kampfes hinaus geht - es werden dem Körper im Laufe des Trainings standardisierte Reaktionen so tief eingeprägt, dass sie vollkommen automatisch und mit hoher Geschwindigkeit ablaufen. Viele Schüler sind anfangs vollkommen verblüfft, wenn ihr Körper wie von alleine beginnt, diese unwillkürlichen Reaktionen auszuführen.

Natürlich ist die gesamte Ausbildung in Stufen gegliedert. So ist es anfangs neben dem Erlernen der Grundbewegungen vor allem entscheidend, den unbedingt notwendigen stabilen Stand und die ebenso notwendigen Wendungen zu erlernen. Ohne diese beiden Fertigkeiten lässt sich Wing Chun nicht sinnvoll erlernen! Gleichzeitig werden die Abwehrreflexe trainiert, damit der Schüler nach spätestens 1/2 Jahr bereits einen wirksamen Schutz vor den Händen eines Angreifers erworben hat. Zum Ende dieser Phase wird begonnen selber aktiv zu werden, denn man kann sich einem energischen Angriff nicht beliebig lange mit passiven Techniken erwehren. So baut die Ausbildung Schritt für Schritt immer weiter auf dem vorher Erlernten auf und führt nachfolgend über Beintechniken, Kontrolltechniken, Ellenbogentechniken u.s.w. innerhalb von 3 bis 4 Jahren fleißigen Trainings zum Abschluss der drei Handformen. Das Training wird an jeden Schüler angepasst und die Fortschritte hängen natürlich neben dem Talent vor allem vom Trainingsfleiß ab!

Wir sind keine kommerzielle Kampfkunstschule und ebenso wie es zu Yip Mans Zeiten keine kostenpflichtigen Prüfungen gab, arbeiten auch wir ohne sie. Unser Angebot richtet sich an alle Interessenten im Aachener Kreisgebiet. Sie können einen Monat lang zum kostenlosen Probetraining kommen, denn jeder sollte zuerst ausreichend Gelegenheit erhalten zu prüfen, ob unser Verein für ihn oder sie der richtige ist. Über den monatlichen Vereinsbeitrag, so wie etwa 10,- EUR für die Schuhe fallen anschließend für längere Zeit keine Kosten mehr an. Später kommen vielleicht noch ein Zahnschutz und einfache Handschützer hinzu - mehr nicht.

Unsere Philosophie

Unter dem Begriff Kung Fu werden in China praktisch alle dort entwickelten Kampfkünste zusammengefasst. Die Worte bedeuten sinngemäß „geduldige Arbeit“. Diese  ist notwendig, weil man diese Kampfkünste nicht in wenigen Tagen erlernen kann, sondern weil das Erlernen ein mehrere Jahre dauernder Prozess ist.

In unserem Verein wird die Kunst des Wing Chun Kung Fu daher strukturiert und systematisch und nach traditionellen Methoden unterrichtet. Wir versuchen gar nicht erst, die Schüler durch sogenannte „Tricks“, nach der Devise „wenn der andere dies tut, musst du das tun …“ zu scheinbaren schnellen Erfolgen zu bringen. Sondern wir vermitteln die Inhalte dieser Kampfkunst in erprobten Lernschritten, die jeden Schüler über die drei klassischen Stufen Siu-Lim-Tao, Chum-Kiu und zuletzt Biu-Gi zu dem anzustrebenden hohen Level führen. Die weiterführenden Techniken können nur dann wirkungsvoll erlernt werden, wenn die Grundlagen ausreichend verinnerlicht wurden. Da diese Grundlagen anfänglich noch nichts mit „selber zuschlagen“ zu tun haben, hat diese Lehrmethode den angenehmen Nebeneffekt für zu draufgängerisch veranlagte Schüler „zu langweilig“ zu sein. Die Unterrichtung der eigenen Gegenangriffe beginnt, wie weiter oben schon erwähnt, erst nach ca. einem halben Jahr.

Alle Schüler und Schülerinnen, die die Ausdauer besitzen, diese Kampfkunst wahrhaftig zu erlernen, werden nicht nur mit ungezählten neuen körperlichen Fähigkeiten belohnt. Sie werden sich auch mental so verändern, dass sie bereits durch ihr selbstbewusstes Auftreten hoffentlich das Kämpfen vermeiden können. Hoffentlich - weil ein Kampf immer auch das  Versagen des zivilisierte Menschen bedeutet! Wer aber dann trotz aller diplomatischen Mittel doch einmal gezwungen ist, sich körperlich zu wehren, wird merken, welch effizientes Mittel sein Wing Chun hierbei ist.